KNMG will Entmutigungspolitik gegen Beschneidung

- Pressemitteilung -

Die Beschneidung von minderjährigen Jungen ohne medizinische Gründen ist eine Verletzung der Rechte des Kindes auf Selbstbestimmung und auf körperliche Unversehrtheit. Das ist der offizielle Standpunkt der KNMG und der beteiligten medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften. Die KNMG spricht sich für eine entschiedene Entmutigungspolitik aus.

Der Anlass für diese Standpunkterklärung ist das zunehmende Augenmerk auf den Schutz von Kinderrechten. Entgegen verbreiteter Vorstellungen, ist die Beschneidung mit einem Risiko für Komplikationen verbunden. Insbesondere Blutungen, Infektionen, Harnröhrenöffnungsverengungen und Panikattacken treten regelmäßig auf. Auch teilweise oder vollständige Penisamputationen infolge von Komplikationen sind dokumentiert.

Die KNMG ruft Ärzte dazu auf, Eltern, die diesen Eingriff erwägen, aktiv und mit Nachdruck über das Fehlen von medizinischen Vorteilen und über die Gefahr von Komplikationen zu informieren. „Die Regel ist, dass man keine gesunden Kinder beschneidet“, erklärt Arie Nieuwenhuijzen Kruseman, Vorsitzender der KNMG. „Bei jedem chirurgischen Eingriff können leider Komplikationen auftreten. Zu einem gewissen Grad akzeptieren Ärzte das, sofern es einen medizinischen Grund für den Eingriff gibt. Aber bei unnötigen Eingriffen ist keine einzige Komplikation zu rechtfertigen.“

Rechte des Kindes

Die KNMG betrachtet die nicht-therapeutische Beschneidung minderjähriger Jungen als Verletzung der körperlichen Unversehrtheit. Dieses verfassungsrechtlich garantierte Recht schützt Menschen vor unerwünschten Eingriffen an ihrem Körper. Gemäß der KNMG dürfen Minderjährige medizinischen Eingriffen nur dann unterzogen werden, wenn Krankheiten oder Fehlbildungen vorliegen, oder wenn überzeugend nachgewiesen werden kann, dass der Eingriff im Interesse des Kindes ist, wie dies beispielsweise bei der Impfung der Fall ist.

Dialog

Die KNMG sieht gute Gründe für ein gesetzliches Verbot der nicht-therapeutischen Beschneidung von Jungen, befürchtet aber, dass dies dazu führen könnte, den Eingriff in den Untergrund zu treiben. Dadurch könnte die Anzahl an Komplikationen zunehmen.

Der Ärzteverband versteht, dass die Praxis der Beschneidung von Jungen mit tiefen religiösen, symbolischen und kulturellen Gefühlen verbunden ist. Die KNMG respektiert dies und ruft zu einen Dialog zwischen Ärzteverbänden, Experten und den betroffenen religiösen Gruppen auf.

Breite Unterstützung

Die Standpunkterklärung der KNMG wird von den folgenden medizinisch-wissenschaftlichen Vereinigungen offiziell unterstützt: von der niederländischen Gesellschaft für Urologie, dem niederländischen Hausärzteverband, der Ärztlichen Jugendgesundheitsfürsorge der Niederlande, der niederländischen Gesellschaft für Kinderchirurgie, der niederländische Gesellschaft für Plastische Chirurgie, der niederländischen Gesellschaft für Chirurgie und der niederländischen Gesellschaft für Kinderheilkunde. 

Eine aktuelle repräsentative Sichtprobenuntersuchung der KNMG-Mitglieder zeigt, dass die Standpunkterklärung auch unter den individuellen Ärzten breite Unterstützung findet.

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