Das Gefurchte Band der Menschlichen Vorhaut

„vormals Frenarband genannt“

Inhalte

Einführung 

Das gefurchte Band ist ein erst kürzlich beschriebener anatomischer Bestandteil des männlichen Präputiums (Vorhaut). Es ist hochgradig innerviert (dicht mit Nerven durchzogen) und vaskularisiert (dicht mit Blutgefäßen durchzogen) und spielt eine bedeutende Rolle bei der Kontrolle der menschlichen Sexualreaktion. 

Das gefurchte Band wurde erst kürzlich entdeckt und wird in den meisten Lehrbüchern der Anatomie und der Urologie immer noch nicht erwähnt. 

Geschichte 

WINKELMANN (1959) untersuchte die erogenen Zonen des Körpers.[1] Er beschrieb zwei Typen von erogenen Zonen: die nicht-spezifischen und die spezifischen erogenen Zonen. Die spezifischen erogenen Zonen erklärt er, finden sich in der Nähe der mukokutanen Grenzen. (Übergangsregion von Schleimhaut zu normaler Haut

WINKELMANN beschreibt die spezifisches Regionen folgendermaßen: 

„Solche spezifischen Stellen von akuter Empfindsamkeit am Körper sind die Genitalregionen, einschließlich Vorhaut, Penis, Klitoris und externer Vulva der Frau und Damm-Haut, Lippen, Nippel, und Bindehaut. Es ist die spezifische Anatomie dieser Regionen, die die Bezeichnung "spezifisch" notwendig werden lässt, wenn man von erotischen Empfindungen spricht, die ihren Ursprung in der Haut haben. Diese Anatomie bevorzugt eine akute Wahrnehmung. Die Rete-Furchen des Epitheliums sind stark ausgeprägt und mehr vom organisierten Nervengewebe erstreckt sich weiter nach oben in der Dermis, als es bei behaarter Haut der Fall ist.“[1]

Von da an ruhte die Beschreibung des gefurchten Bandes bis John R. TAYLOR, M.B., F.R.C.P., ein Pathologe am Health Sciences Centre der Universität von Manitoba in Winnipeg, eine anatomische und histologische Untersuchung von Vorhäuten von Leichen unternahm um den Verlust infolge der Zirkumzision zu ermitteln und zu beschreiben. Taylor präsentierte seine Befunde das erste Mal 1991 vor einem internationalen Symposium über Beschneidung. Taylor bezeichnete damals die neu beschriebene Struktur als „Frenarband“, aber diese Bezeichnung wurde bald zu Gunsten der anschaulicheren Bezeichnung „gefurchtes Band“ aufgegeben.[2

Später veröffentlichten TAYLOR und seine Kollegen ihre Befunde im British Journal of Urology.[3]

Beschreibung des Gefurchten Bands

TAYLOR et al. (1996) beschreiben das gefurchte Band als:

„Wenn sie zurückgezogen ist, weist die innere Oberfläche der Vorhaut zwei Zonen auf, eine „Gefurchte“ und eine „Glatte“. Erstere ist ein transversal gefurchte Schleimhautband von 10 bis 15 mm Breite, grenzt an den Rand der echten Haut, und bildet die äußere Oberfläche der Vorhautspitze. In der dorsalen Mittellinie befindet sich das "gefurchte Band" oberhalb der Höhe der angrenzenden glatten Schleimhaut und geht auf beiden Seiten fließend in das Frenulum der Vorhaut über. Bei Vergrößerung, hat die gefurchte Schleimhaut ein genarbtes oder korallenartiges Aussehen. Nicht zurückgezogen, liegt das „adulte gefurchte Band“ gewöhnlich auf der Eichel auf; Zurückgezogen, ist das gefurchte Band umgestülpt, so dass es auf dem Schaft des Penis aufliegt. Die restliche Innenseite der Vorhaut zwischen dem gefurchten Band und der Eichel ist glatt und lax. Es bestehen beträchtliche Unterschiede hinsichtlich des Grades der Furchung: ältere Subjekte zeigten weniger und jüngere Subjekte stärker ausgeprägte Furchungen. Eine gewisse Furchung wurde aber bei allen untersuchten Vorhäuten festgestellt.“[3]

TAYLOR und Kollegen merkten weiterhin an, dass das gefurchte Band stark vaskularisiert [von vielen Blutgefäßen durchzogen d. h. stark durchblutet] ist – eine Eigenschaft, die für Teile des Nervensystems typisch sind.

Fig 1: Gefurchtes Band das vom Frenulum entspringt; reponierter intakter Penis.

FLEISS & HODGES (2002) beschreiben das gefurchte Band: 

„an die glatte Schleimhaut angrenzend und gerade hinter den Lippen der Vorhaut befindet sich die gefurchte Schleimhaut. Diese äußerst empfindliche Struktur besteht aus eng gefalteten konzentrischen Bändern, ähnlich den Gummibändern an der Öffnung einer Socke. Diese dehnbare Falten entspringen vom Frenulum und umkreisen die Innenseite der Vorhaut. Sie ermöglichen es den Lippen der Vorhaut sich zu öffnen und zurück zu rollen, sodass die Eichel entblößt wird. Die gefurchte Schleimhaut verleiht der Vorhaut auch ihr charakteristisches spitz zulaufendes Ende.“

„Die gefurchte Schleimhaut ist eine gefäßreiche Zone von spezialisiertem Nervengewebe, die eine dichte Konzentration spezialisierter erotogener Nervenrezeptoren enthält. Die Eversion (Ausstülpen) und Reversion (Einstülpen) der Vorhaut während der Erektion und dem sexuellen Spiel sorgen dafür, dass die Falten der gefurchten Schleimhaut sich wie die Bügel eines Akkordions ausdehnen und wieder zusammenziehen. Diese Bewegung ermöglicht es jeder Oberfläche der Falten mit dem Eichelkranz in Berührung zu kommen. Das Ausfalten und Einfalten der gefurchten Schleimhaut über der Eichel sorgt dafür, dass alle erotogenen* Nervenenden stimuliert werden, was das sexuelle Vergnügen steigert. Wenn die Vorhaut vollkommen umgestülpt ist, ist die gefurchte Schleimhaut um den Schaft des Penis neu positioniert.[4]

Die Vorhaut hat eine Ummantelung von Muskelgewebe, das peripeniler Muskel genannt wird und Teil der Tunica dartos ist.[5] Der peripenische Muskel zieht sich zusammen, sodass die Vorhaut (und das gefurchte Band) passgenau auf der Glans (Eichel) und der Corona (Eichelkranz) anliegt.[6

* erotogen = sexuelle Lustgefühle auslösend

Innervation des Gefurchten Bands 

Der enorme Nervenreichtum des gefurchten Bandes kann kaum überbewertetet werden. WINKELMANN beschrieb die Innervation der Vorhaut: 

„Die mukokutanen End-Organe [Nervenenden] erstrecken sich vom distalen Ende der Vorhaut bis zu der Stelle, an der die behaarte Haut anfängt, von wo an sie geringer werden und verschwinden. Aufgrund der dünnen Dermis und dem minimalen Subkutangewebe [Unterhautgewebe] in der Vorhaut sind die Nervennetzwerke sehr eng gelegt.”[1]

Auch MOLDWIN & VALDERAMA (1989) berichten von einem

    ausgiebigen neuronalen Netzwerk innerhalb des Vorhautgewebes, welches bei der Geburt und mit geringer Veränderung bis ins Erwachsenalter vorhanden ist". [7]

TAYLOR berichtet: 

„Histologisch untersuchte Querschnitte des "gefurchten Bandes" zeigten fokale, spitzige oder rundlichere, breitere und flachere Kämme mit dazwischen gelegenen Furchen. Meissner-Körperchen waren bei einigen Subjekten zahlreicher vorhanden als bei anderen, aber, was vielleicht am bedeutsamsten ist, sie fanden sich nur in den Gipfeln der Kämme gelegentlich in kleinen Gruppierungen, die die Spitzen der Coriumpapillen erweiterten. In diesem Matetrial wurden keine End-Organe in den Furchen zwischen den Kämmen vorgefunden. Die S-100 Färbung zeigte zusätzliche Endorgane und myelinierte Nervenfasern innerhalb der Papillen und bestätigen die hohen Nervendichte des gefurchten Bands. Die Verteilung der Meissner-Körperchen in den Kämmen der Schleimhaut waren am besten in Tangentialschnitten durch das Epithelium und die Spitzen der der Papillen des Coriums bei einigen aber nicht aller Präparate erkennbar. Schnitte der "glatten Schleimhaut" wiesen keine Furchung der Schleimhautoberfläche geringfügig flacherer Coriumpapillen und wenige Meissner-Körperchen. Meissner-Körperchen fanden sich auf dem Frenulum und der Glans Penis aber kein Versuch wurde unternommen die glatte mit der tief gefurchten Schleimhaut zu vergleichen. Histologisch kann keine klare Demarkationslinie zwischen der echten Haut des Penisschaftes und dem gefurchten Band, das sich genau an der Spitze der Vorhaut befindet, gezogen werden.“[3

Die Nervenenden versorgen das zentrale und das parasympathische Nervensystem mit Informationen[8]

Sensitivität des Gefurchten Bands 

Seit langem ist bekannt, dass die männliche Beschneidung die sexuelle Empfindlichkeit und das sexuelle Vergnügen reduziert, aber der Grund dafür war lange Zeit unklar. MORGAN (1965) glaubte, der Verlust des Schutzes der Eichel führe zu einer Reduktion an Sensitivität, bald aber erkannte MORGAN (1967), dass die Vorhaut die Quelle der sexuellen Sensitivität war: 

„Koitus ohne Vorhaut ist wie eine farbenblinde Person, die ein Renoir oder ein Van-Gogh-Gemälde betrachtet.“[10]

FALLIERS (1970), vielleicht aus persönlicher Erfahrung sprechend, indentifizierte korrekterweise die Vorhaut als Quelle des sexuellen Vergnügens:

„Das sensorische Vergnügen, das durch die taktile Stimulation der Vorhaut ausgelöst wird, ist nach ihrer chirurgische Entfernung beinahe vollkommen verloren. Die Oberfläche der entblößten Eichel hat, wie wir wissen, keine Fähigkeit zum Empfang oder zur Übertragung irgendwelcher, leichten Berührungsempfindungen, Wärmeempfindungen, usw. Folglich, wird der fundamentale sexuelle Akt, für den beschnittenen Mann, einfach eine Befriedigung eines Triebs und nicht das verfeinerte sinnliche Erlebnis, das er eigentliche sein sollte.“[11]

SORRELLS et al. (2007) untersuchte männliche erwachsene Freiwillige ohne Krankengeschichte einer Penispathologie oder Diabetes mit einem Semmes-Weinstein-Monofilament-Sensibilitätstest um die Druckschwellenwerte für leichte Berührungen des Penis aufzuzeichnen. 19 Stellen am Penis wurden getestet. Der geringste Druck um eine Empfindung auszulösen (welche die empfindlichsten Stellen für leichte Berührungen ausmachen) wurden an den Punkten 34513 und 14 registriert. Bei diesen handelt es sich

3) die Öffnung der Vorhaut,

4) die mukokutante Grenze (Übergang von Schleimhaut zur normalen Haut),

5) das Gefurchte Band

13) das Frenulum nahe des gefurchten Bands, und

14) das Frenulum an der mukokutanen Verbindung.[12]

BLUSTEIN et al. (2003) führten eine Studie aus um zu bestimmen, ob intakte oder beschnittene Männer empfindlicher für leichte Berührungen sind. BLUSTEIN zog die Vorhaut der intakten Männer zurück und testete sie nicht. Er berichtete: „Es bestehen keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Penisempfindlichkeit zwischen zirkumzidierten und nicht-zirkumzidierten Männern mit Hinblick auf Vibration, Raumwahrnehmung, Druck, Wärme und Kälte Thermalschwellenwerte sowohl bei Patienten mit als auch ohne erektiler Dysfunktion.“[13] PAYNE et al. (2007) führte eine ähnliche Studie der Penissensitivität bei beschnittenen und intakten Männern bei sexueller Erregung durch. Kein einziger Teil der Vorhaut wurde auf ihre Sensitivität hin getestet. PAYNE et al. berichten, “Zusammengefasst fand die vorliegende Studie keinen Unterschied hinsichtlich der genitalen Empfindung zwischen unzirkumzidierten und zirkumzidierten Männern.“[14]

TAYLOR (2007) kommentierte

„die Zirkumzision verringert nicht die Sensitivität der Eichel oder Penisschafthaut. Jedoch ist die Vorhaut immer an vorderster Front in der großen Beschneidungsdebatte und ein direkter Vergleich der Eichel mit der Vorhaut, nicht der Schafthaut ist notwendig.[15] Die Methodologie von BLUSTEIN et al.[13] und Payne et al.[14] ist folglich fehlerhaft. Die Arbeiten von BLUSTEIN et al.[13] und Payne et al.[14] bestätigen deshalb die Befunde von SORRELLS et al.[11]- nämlich, dass die maximale Empfindlichkeit für leichte Berührungen beim menschlichen Penis sich im Bereich des gefurchten Bandes befindet“

Funktionen des Gefurchten Bands

WINKELMANN kommentierte:

„Es ist logisch anzunehmen, dass manche Individuen eine kutane Hyperneurie haben, und es ist auch logisch zu erwarten letztendlich einige Individuen mit einer wirklichen verringerten Organisation der kutanen Nerven für die Sinneswahrnehmung zu finden. Gewisse pathologische Zustände können auf der Grundlage einer verringerten oder erhöhten  Hautnervenversorgung erklärt werden. Beispiele davon könnten vielleicht Satyriasis [abnormer männlicher Geschlechtstrieb], Priapismus, Nymphomanie, Impotenz und Frigidität sein. …Da keine adäquate Daten zu diesen Themen verfügbar sind, kann man nur darauf spekulieren, dass eine anatomische Ursache für diese unterschiedlichen klinischen Syndrome einiges Tages vielleicht gefunden wird.…“[1]

TAYLOR (2000) verweist darauf, dass das gefurchte Band dazu konzipiert [ist] auf Bewegungen der angrenzenden Schleimhaut und Haut des Penis zu reagieren,[16] und (2003)dass „das Dehnen der Vorhaut und ihres gefurchten Bands eine Reflexkontraktion der Muskeln des Bulbus Penis auslöst, die bekanntermaßen mit der Ejakulation und, was nicht unbedeutend ist, mit der erogenen Empfindsamkeit in Verbindung steht.“[17]

Auswirkungen der Entfernung des gefurchten Bands 

 Das gefurchte Band ist so lokalisiert, dass bei jedweder Beschneidungsoperation das gefurchte Band zusammen mit der Vorhaut vollständig entfernt und zerstört wird. Sicher ist, dass kein beschnittener Mann auch nur irgendeinen Rest seines gefurchten Bandes zurückbehalten hat.  

BEMELMANS et al. (1991) untersuchte 123 Patienten mit erektiler Dysfunktion. 58 (47 Prozenz) "hatten zu mindestens 1 anormalen neuro-physiologischen Messwert." BEMELMANS et al. gelangten zu dem Schluss: 

„Unsere Studie bekräftigt die Wichtigkeit der Penissensibilität für die erektile (Patho)physiologie, wie sie von anderen nahe gelegt wurde und bestätigt die Vorstellung, dass Impotenz infolge eines sensorischen Defizits eine bedeutende Ursache für die erektile Dysfunktion darstellt.“[18]

IMMERMAN & MACKEY (1998) stellen die Hypothese auf, auf Grundlage der aufgezeigten Veränderungen nach dem Verlust der Sehkraft eines Auges, dass der Verlust von so viel Nervengewebe, strukturelle Veränderungen im Gehirn verursache.[19] Es ist anzunehmen, dass die neuronale Reorganisation Verhaltensänderungen zur Folge hat. Weitere Forschungsarbeit ist notwendig um ihre Hypothese zu belegen. Die männliche Beschneidung versucht zweifellos Veränderungen im menschlichen Verhalten,[20] jedoch ist bislang noch unbekannt, ob dies Veränderungen des Gehirns miteinschließt.

Mehrere Forscher belegen, dass beschnittene Männer (die kein gefurchtes Band mehr besitzen) größere Schwierigkeiten bei der Erektion und der Ejakulation haben. COURSEY et al. (2001) wiesen verschlechterte Erektionen bei einer Kontrollgruppe von beschnittenen Männern nach.[21] FINK et al. (2002) untersuchten die erektile Funktion bei Männern, die beschnitten wurden um einen Krankheitszustand zu behandeln. Sie berichten von verschlechterter erektiler Funktion, verringerter Penissensitivität, und –merkwürdigerweise– von erhöhter Zufriedenheit.[22] Es muss jedoch beachtet werden, dass diese Männer sich deshalb einer Beschneidung unterzogen um einen pathologischen Zustand zu behandeln und dass die Behandlung dieses pathologischen Zustands folglich zur erhöhten Zufriedenheit geführt haben kann.

SHEN et al. (2004) untersuchte die erektile Funktion von 95 Chinesischen Männern nach deren Beschneidung. Obwohl 18 Studienteilnehmer eine leichte erektile Dysfunktion vor der Beschneidung hatten, litten 28 Studienteilnehmer an einer geringfügig- bis mäßig starken sexuellen Dysfunktion nach der Beschneidung. 31 berichteten über hinausgezögerten Geschlechtsverkehr.[23]

DENNISTON (2004) untersuchte 38 Männer, die sowohl vor und als auch nach ihrer Beschneidung Geschlechtsverkehr hatten. 22 dieser 38 Männer (58%) berichteten, dass sich ihr sexuelle Vergnügen infolge der Beschneidung verringerte und dass sie sich kein zweites Mal beschneiden lassen würden.[24]

SENKUL& et al. (2004) untersuchte die Auswirkungen der Beschneidung an gesunden jungen türkischen Männer die sich aus kosmetischen oder religiösen Gründen beschneiden ließen. Senkul et al. berichteten von einer signifikant längeren Ejakulations-Latenzzeit [Zeit bis zum Samenerguss] nach der Beschneidung.[25]

THORVALDSEN & MEYHOFF (2005) untersuchten dänische Männer. Sie berichteten, dass junge dänische Männer nach der Beschneidung größere Schwierigkeiten haben eine Ejakulation und einen Orgasmus zu erreichen.[26]  

KIM & PANG (2007) untersuchten südkoreanische Männer, die als sexuell aktive Erwachsene beschnitten wurden. Kim & Pang berichten, dass die Männer generell eine Abnahme des sexuellen Vergnügens nach der Beschneidung erfahren.[27

SOLINIS & YIANNAKI (2007) untersuchten 123 sexuell aktive Männer, die mindestens zwei Jahre zuvor beschnitten wurden, 16 Prozent gaben an, dass die Beschneidung ihr Sexleben verbessert hätte, aber 35 Prozent gaben an dass die Beschneidung ihr Sexleben verschlechtert habe. 65% gaben an, dass sich ihre Ejakulations-Latenzzeit nach der Beschneidung signifikant erhöhte aber nur 10% von diesen gaben an, dass diese Tatsache ihr Sexualleben verbesserte. 46% der Männer gaben an, dass das Sexualleben ihrer Partner sich nach ihrer Beschneidung verschlechtert habe, 33% gaben an, dass das Sexualleben ihres Partners sich verbesserte und 21% berichteten über keinen signifikanten Unterschied.[28

In Anbetracht der oben beschriebenen Untersuchungen wird deutlich, dass der Verlust des gefurchten Bandes die Reizversorgung ins parasympathische Nervensystem reduziert, welches die sexuelle Reaktion reguliert. Wenn die Reizversorgung des parasympathischen Nervensystems verringert wird, dann wird die Reizversorgung des zentralen Nervensystems, welches für die Wahrnehmung von sexuellen Empfindungen zuständig ist, auch herabgesetzt.  

Fazit 

Das gefurchte Band war, als die Beschneidung in die medizinische Praxis eingeführt wurde, vollkommen unbekannt. Viele Jahre lang glaubten Ärzte, dass die Beschneidung keine Auswirkung auf die Sexualität habe. Diese Vorstellung ist eindeutig falsch. Die wirkliche Bedeutsamkeit des gefurchten Bandes "liegt in seiner Fähigkeit eine Reflexkontraktion von Muskeln auszulösen, die für die Ejakulation verantwortlich ist.”[29

Heute ist klar, dass die Entfernung des gefurchten Bandes aufgrund der Beschneidung eine negative Auswirkung auf die Erektion, Ejakulation und das sexuelle Empfindungsvermögen hat. Eltern sollten darüber informiert werden, dass eine Beschneidung das Sexleben ihres Sohnes im Erwachsenenalter nachteilig beeinflussen wird.[28] Dieser Faktor macht es erforderlich, dass die Praktik der nicht-therapeutischen Beschneidung von Kindern im Lichte der zeitgemäßen Standards der Medizinethik neubewertet wird.

Im Fall von Erwachsenen, die eine Beschneidung wünschen, stehen Ärzte in der Verantwortung, als Teil des Vorgangs der informierten Einwilligung, Erwachsene vor den sexuellen Veränderungen zu warnen, die sie aufgrund der Beschneidung erfahren werden.[28] [30

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*Rete ist ein anatomische Bezeichnung, die ein Geflecht oder ein Netzwerk beschreibt.

Zusätzliche Lektüre 

Fleiss P, Hodges FM. What your Doctor May Not Tell You About Circumcision. New York: Warner Books, 2002.

Video

Die Vorhaut von Steve Scott

Verweise

  1. Winkelmann RK. The erogenous zones: their nerve supply and significance. Mayo Clin Proc 1959;34(2):39-47.
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  4. Fleiss PM, Hodges FM. What Your Doctor May Not Tell You About Circumcision. New York: Warner Books, 2002, p. 7-8.
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