Beschneidung und Hygiene

"Weil es sauberer ist"

Hygiene des intakten Penis 

Eine der häufigsten Gründe für die Beschneidung von Jungen ist „wegen der Hygiene“ oder „weil es sauberer ist“

Allerdings hat die große Mehrheit der Männer auf der Welt intakte Penisse, und diese sind genauso sauber wie der durchschnittliche beschnittene Penis. Die Menschen in den USA haben gelernt großen Wert auf „Hygiene“ zu legen, aber gesunder Menschenverstand ist notwendig um diese Angelegenheit ins rechte Licht zu rücken. Jede Oberfläche des menschlichen Körpers ist von Bakterien bedeckt –Millionen auf jedem Quadratzentimeter. Desinfektionsmittel können einige von ihnen abtöten, aber sie erholen sich innerhalb weniger Stunden. Der Versuch sie alle zu töten ist sinnlos, und wäre lebensgefährlich, wenn er erfolgreich wäre.

In seinem bahnbrechenden Werk Life on Man (Secker & Warburg, 1969), legt der Bakteriologe Theodor Rosebury einen vollständigen biologischen und historischen Bericht über die Mikroben vor, die auf dem durchschnittlichen Menschen leben...

Rosebury schätzt, dass 10 Millionen individuelle Bakterien auf einem durchschnittlichen Quadratzentimeter Menschenhaut leben, jedoch kann dieser Wert beträchtlich variieren… Auf der fettigen Haut, die sich auf der Seite der Nase oder in einer schwitzigen Achselhöhle, steigt dieser Wert um das zehnfache, aber innerhalb des Körpers, etwa auf der Oberfläche der Zähne, der Kehle oder des Verdauungstrakts, können diese Konzentrationen um das tausendfache ansteigen.

Andererseits, auf jenen Oberflächen, wo ein Strom aus Körperflüssigkeit die Bakterien wegspült, wie etwa im Tränenkanal oder den urogenitalen Oberflächen, ist die Mirkobenpopulation deutlich dünner. In der Tat konnte Rosebury in der Blase überhaupt kein mikrobielles Leben feststellen.

Diese Werte steigen an, wenn irgendwelche Krankheitserreger präsent sind, wie etwa Viren oder Infektionen, nicht jedoch in einem signifikanten Umfang.

-Redakteur, New Scientist, No 2258
 30. September 2000, S.65

Es wird häufig behauptet, dass die Beschneidung in Wüstenregionen begann, wo nicht ausreichend Wasser zum Waschen zur Verfügung stand die Beschneidung für diesen Zwecke „heutzutage nicht mehr länger braucht“. In Wirklichkeit wurde die Beschneidung zu keiner Zeit jemals gebraucht, und einige Wüstenvölker haben zu keiner Zeit die Beschneidung praktiziert.

 

Smegma

Innerhalb der Genitalfalten sowohl des Mannes wie auch der Frau –diese Gegend ist  bei Frauen viel größer– bildet sich eine sehr kleine Menge (1-2 mm3 – das 1/16,000-1/8000stel eines Quadratzolls pro Tag) einer zähflüssigen Substanz namens Smegma (Griechisch für „Seife“). Diese besteht aus abgestoßenen Hautzellen, Hautölen, und einer relativ geringe Menge Bakterien. Eine ähnliche Substanz sammelt sich an den Rändern der Lippen an. Wenn es nicht entfernt wird entwickelt Smegma ein bezeichnendes Aroma, welches bei Frauen mit Fisch und bei Männern mit Käse verglichen wird. Die Menschen werden darauf konditioniert diese Gerüche widerlich zu finden (außer wenn sie von Käse und Fisch stammen).

Wie bei jedem anderen Körperteil auch kann die Vernachlässigung einer vernünftigen Körperpflege zu kleinen Probleme führen. Aber wie mit jedem anderen Körperteil heilen diese Probleme von selbst wieder oder können erfolgreich mit Medikamenten behandelt werden ohne Operationen.

 

Zirkumzision?

Die Vorstellung, dass ein gesundes Körperteil der „Hygiene“ wegen abgeschnitten werden soll, würde als skandalös und befremdlich angesehen werden, wenn diese sich nicht bereits etabliert hätte. Und vergessen sie nicht, dass das nicht der Grund ist, warum die Beschneidung sich [In Nordamerika] so verbreitet hat. Die ursprüngliche Motivation hinter der Beschneidung war die „Heilung und dann die Prävention der Masturbation“ – erfolglos natürlich, aber Jungs, die aus diesem Grunde beschnitten wurden, würden natürlich Sorge tragen kein zweites Mal erwischt zu werden, so dass ihnen nicht noch schlimmeres widerfährt. „Hygiene“ bedeutete für die frühen Befürworter der Beschneidung „moralische Hygiene“ und tatsächlich befürwortete Harvey Kellogg, einer der bekanntesten Beschneidungsbefürworter zu Beginn des 20. Jahrhunderts, auch die Infibulation (das Zusammennähen der Vorhautöffnung mittels Draht), die eine sachgemäße körperliche Hygiene unmöglich gemacht hätte. „Es sauberer zu machen“ ist einer der Gründe mit der die Beschneidung weiblicher Genitalien, wo sie heute noch üblich ist, auch verteidigt wird.

Im Gegensatz dazu braucht ein beschnittener Penis innerhalb der ersten zwei Wochen jeden Tag Aufmerksamkeit um sicherzustellen, dass die Schnittwunden nicht mit der wunden Oberfläche der Eichel verwachsen. Wenn Eltern es vermeiden möchten unnötigerweise mit dem Penis ihres Sohnes zu hantieren, dann ist ihn intakt zu lassen die beste Möglichkeit.

Und wenn die Vorhaut erst mal von ihrem Besitzer genommen wurde, dann hört die Vorhaut auf wundersame Weise auf „schmutzig“ und „krankheits-erregend“ zu sein, und wird plötzlich gesundheitsfördernd und krankheitsvorbeugend:

„In den letzten Jahren, erklärt [Lawrence] Schachner [ein pädiatrischer Dermatologe an der University of Miami], haben Ärzte damit experimentiert Haut, die aus gesunder Babyvorhaut gezüchtet wurde auf Wunden zu transplantieren. Diese Technik ist besonders vorteilhaft, denn die Vorhaut enthält Enzyme, welche die Wundheilung fördern. ...“

The Beacon Journal, Ohio, March 23, 2004