In Bezug auf die Irrmeinungen, die sich unter praktizierenden Ärzten hartnäckig halten, ging der kanadische Kinderärzteverband die CPS, in seiner Grundsatzerklärung zur Beschneidung (1996) soweit, in Frage zu stellen, ob die Bezeichnung "Adhäsionen" zur Beschreibung der Synechie (der normalen Membran zwischen der Eichel und der Vorhaut bevor sich diese im Laufe der Jahre spontan voneinander ablösen) überhaupt angewendet werden kann. Die CPS erklärt:
Im Allgemeinen wird die lange Periode, bevor die natürliche Ablösung der Vorhaut von der Eichel abgeschlossen ist, nur unzureichend akzeptiert. Einige Autoren sprechen immer noch von "Adhäsionen", wenn in Wirklichkeit der Ablösungsprozess [der Vorhaut von der Eichel] noch nicht stattgefunden hat; in ähnlicher Weise wird eine nicht zurückziehbare Vorhaut manchmal fälschlich als Phimose diagnostiziert.[1]
Die CPS zieht es vor, den normalen Zustand einer nichtzurückziehbaren Vorhaut, die häufig bei Kindern und sogar häufig auch bei Jugendlichen beobachtet wird, als entwicklungsbedingt nicht-zurückziehbare Vorhaut zu bezeichnen. [Eine weitere Bezeichnung, die im deutschen Sprachraum häufig ist, ist physiologische Phimose. Man beachte, dass eine physiologische Phimose bei machen Jungen noch bis zur Vollendung der Pubertät vorliegen kann. Es gibt kein bestimmtes Alter, ab dem ein Junge eine zurückziehbare Vorhaut haben muss. Bei Kindern und Jugendlichen ist eine nicht-zurückziehbare Vorhaut -sofern keine sonstigen Beschwerden auftreten- grundsätzlich als normal zu betrachten und zwar in jedem Alter. Anm.d.R.] Die Erklärung der CPS bezieht sich auf eine Studie an 420 Jungen von Rickwood und Walker. In ihrer Studie erklären Rickwood und Walker:
Die nicht-zurückziehbare Vorhaut, bei der die Vorhaut ganz oder teilweise nicht zurückziehbar ist, rührt von der Fortdauer der entwicklungsbedingten Verklebungen zwischen der Eichel und der Vorhaut her. (Präputialverklebungen); Das geht oft mit einer Präputialöffnung einher, die, obwohl sie etwas eng ist, elastisch und nicht vernarbt ist ("physiologische Phimose").[2]
Die Studie von Rickwood und Wakler macht die Probleme sehr deutlich, die oft mit der Diagnosestellung der Phimose einhergehen:
Der griechische Ursprung des Wortes (f i m o s i v, Maulkorb-artig) erlaubt die Verwendung des Wortes, wann immer die Vorhaut nicht vollständig zurückziehbar ist, aber solch eine allumfassende Verwendung des Begriffs wird häufig falsch verstanden, da dieses Wort einen krankhaften Zustand impliziert, obwohl oft keiner vorliegt. In Wirklichkeit gibt es einen eindeutigen Unterschied zwischen einer echten, pathologische Phimose und der teilweisen oder vollständigen nicht-zurückziehbaren Vorhaut infolge der entwicklungsbedingten Verklebung der Eichel mit der Vorhaut. Vor mehr als 60 Jahren, zeigte Douglass Gairdner, dass dieser Zustand bei Jungen sowohl normal ist als auch von selbst wieder verschwindet. Vielleicht war es ein unglücklicher Zustand, dass er seine [gerade mal 200] Patienten nur bis zum 5 Lebensjahr beobachtete, einem Alter bei denen die Vorhaut vieler Jungen vollständig nicht zurückziehbar ist, während viele mehr immer noch Präputialverklebungen haben. Aus diesem Grund, hält sich die falsche Vorstellung, dass der Fortbestand einer nicht-zurückziehbaren Vorhaut über dieses Alter hinaus einer Behandlung bedürfe, sei es einer "Vorhautdehnung", "Lösung von Adhäsionen" oder sogar Zirkumzision. Osters Studie an mehr als 2000 Schuljungen, die bis zur körperlichen Reife beobachtet wurden, zeigte etwas ganz anderes: Im Alter von 17 Jahren-ohne jedwede Intervention irgendeiner Art- war die Vorhaut bei allen Jungen zurückziehbar außer bei einem 1%, die eine echte Phimose als sekundäre Erkrankung hatten.[2]
Die nicht-zurückziehbare Vorhaut ist asymptomatisch mit Ausnahme der gelegentlich auftretenden Ballonierung der Vorhaut bei der Miktion, welches ein harmloses und vorrübergehendes Phänomen ist, und bedarf aufgrund ihrer natürlichen Entwicklung keiner Behandlung, am allerwenigsten einer Zirkumzision.
Referenzen
- Fetus and Newborn Committee, Canadian Paediatric Society. Neonatal circumcision revisited (clinical practice guidelines). Canadian Medical Association Journal 1996; 154(6): 769-780.
- Rickwood AMK et Walker J. Is phimosis overdiagnosed in boys and are too many circumcisions performed in consequence? Annals of the Royal College of Surgeons of England 1989;71(5):275-277
englischer Originalartikel erstellt von:
CIRCUMCISION INFORMATION RESOURCE CENTRE
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