Eric, 65 Jahre berichtet wie er seine Beschneidung erlebt ...

Ich wurde erst nach der Pubertät im Alter von 23 Jahren beschnitten und kenne also das Davor und Danach  Meine Beschneidung erfolgte wegen Phimose. Bei Erektion war kein Zurückziehen der Vorhaut möglich (Schmerzen beim Verkehr). Der konsultierte Urologe hatte sich sofort zur Beschneidung entschieden. Von Alternativbehandlung wusste ich nichts - möglicherweise wollte er auch davon nichts wissen - das wurde mit keinem einzigen Wort erörtert. Auch über den Stil der Beschneidung wurde kein Wort gesprochen. Ich hatte davon keine Ahnung. Ich wusste nicht einmal, was bei der Beschneidung vor sich geht. Der autoritäre Herr Doktor aus den 60iger Jahren sagte einfach, das muss sein und damit basta. Ich ging stillschweigend davon aus, dass natürlich alles so bliebe, wie es war, und nur die Enge operativ beseitigt wird. (Anmerkung: Heute als Triple Inzision bekannt) Nicht einmal im Traum hätte ich gedacht, dass es möglich ist, die Eichel vollkommen frei zu legen. Dass ich dann relativ "gnädig" beschnitten wurde, ist somit reines Glück. Der untere Teil der Vorhaut und das  Frenulum blieben erhalten, die Eichel liegt aber -leider- vollkommen frei.

Diese Freilegung führt -  wie man überall nachlesen kann - zu einer Desensibilisierung der Glans, die stetig Jahr für Jahr zunimmt. Die Eichelhaut wird dicker und robuster. Anfangs sieht man darin noch keinen Verlust, da die Übersensibilität eines jungen Mannes gebremst wird und so ein längeres Stehvermögen resultiert. Aber Achtung: Die Desensibilisierung schreitet unerbittlich fort, das heißt, man braucht einen immer stärkeren mechanischen Reiz um überhaupt zum Orgasmus zu kommen. Heute -mit über 60 Jahren- muss ich bekennen, dass ich bei normalem (vaginalen) sexuellen Verkehr mit meiner Partnerin nicht mehr zum Höhepunkt kommen kann: Der Glans penis ist gefühllos gegenüber normaler sexueller Sensibilisierung - er reagiert etwa so, wie die Haut meiner Daumenkuppe. Um sexuelle Erregung zu erzeugen, ist extremer mechanischer Reiz erforderlich, der weder oral noch vaginal zu erreichen ist und eine normale Partnerschaft extrem belastet. 
Das muss zwangläufig auch anderen beschnittenen Männern so gehen und ich vermute, dass keiner der Betroffenen  das Thema im Alter gerne offenlegt. Auch heute noch ist sexuelle Disfunktion bei älteren Männern ein Tabuthema. Ich meine auch, dass jene Männer, die schon in frühen Lebensjahren vor der Pubertät beschnitten wurden (gerade Juden und Moslems),  überhaupt kein Wissen über die wunderbare Feinfühligkeit der geschützten Eichel besitzen. Insofern empfinden sie keinen Verlust an Sensibilität, Manche geben fälschlicherweise auch ihrer älteren Frau die Schuld, die natürlich nach einigen Geburten "weiter" geworden ist. Andere werden vielleicht auf andere Praktiken ausweichen, wie z B. Analverkehr oder Verkehr mit sehr jungen Mädchen. 

Man sieht, die Beschneidung hat Folgen, die sich nicht nur im Alter, sondern kontinuierlich mit zunehmendem Alter sehr einschneidend in der Partnerschaft manifestieren. An sich ist das logisch. Wenn man den Jungs die Vorhaut wegschneidet und damit die Eichel desensibilisiert mit dem Ziel, die Onanie zu erschweren, dann muss das natürlich noch viel mehr die Sensibilität bei vaginalem Verkehr einschränken! Es macht mich wütend, dass gerade Ärztinnen -wie ich zuletzt in einem Dialog mit Beschneidungskritikern gelesen habe - bestreiten, dass die Vorhautentfernung negative sexuelle Auswirkung besitze.