Wie oft zu lesen ist, soll die Beschneidung sich nachhaltig auf das Verhalten von Jungen auswirken, und zwar in der Weise, daß sie anschließend "viel ruhiger" seien.
Dieses Argument beruht auf den medizinischen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts. Damals argumentierten zahlreiche Mediziner-darunter auch Deutsche Kliniker, dass die Entfernung der "reizenden" Vorhaut durch Beschneidung psychische Krankheiten heilen oder gar verhüten könne.
Ähnlich wie bei der von Walter Freeman für gut befundenen Therapie der Lobotomie, wird hier die Beschneidung von Jungen als Mittel zum Zweck verwendet, nämlich konformes, nach elterlichen Normen ausgerichtetes Verhalten zu erreichen.
Wie bei der Lobotomie, die inzwischen als blanker, katastrophaler Unsinn entlarvt wurde, wird man sich in Sachen Beschneidung, in einigen Jahren, hoffentlich über solch verschrobene Vorstellungen sehr wundern.