Die Irrtümer des Beschneiders

Von Nicholas Carter

(Übersetzung aus dem Englischen)

    Lassen Sie uns kurz die Wirkungsgeschichte eines stellvertretend für alle angenommenen Beschneiders betrachten.

    Um die 1900 beschnitt er kleine Jungen, da er glaubte, die Operation würde helfen der Hüftgelenkserkrankung, Epilepsie, Hysterie, Ruptur und genitalem Infantilismus, neben vielen anderen Leiden, vorbeugen.   

Sein Ziel erreichte er nicht.

   Eine lange Zeit lang danach beschnitt er noch immer um Bettnässen und die verteufelte Selbstbefriedigung zu verhindern...

Sein Ziel erreichte er nicht:

Heute haben viele kleine beschnittene Jungen Probleme mit dem Bettnässen und Masturbation kommt auch unter beschnittenen Männern vor.

    Jahrelang berichteten Ärzte, die in Erdteilen mit traditionell häufiger Beschneidung arbeiteten (Nordafrika und Naher Osten beispielsweise), dass Geschlechtskrankheiten schockierend häufig in diesen Ländern seien. Nichtsdestotrotz propagierte der US-amerikanische Beschneider, dass gerade die Prävention von Geschlechtskrankheiten ein bedeutendes Argument für die Operation sei.

Wieder lag er falsch.

Bekanntlich hat Syphilis unter der heutigen jungen Bevölkerung (der USA und Nordafrikas) epidemische Ausmaße erreicht, und Gonorrhö (Tripper) ist völlig außer Kontrolle. (Tatsächlich haben die USA unter allen Industrieländern nicht nur die höchste Rate an beschnittenen, sexuell aktiven Männern [70%], sondern auch die höchste Häufigkeit aller sexuell übertragbaren Krankheiten einschließlich AIDS.)

    Seit Jahrzehnten verkündet der Beschneider, dass Gebärmutterhalskrebs vorwiegend bei Frauen, die mit unbeschnitten Männern verheiratet sind, auftrete. Einige bedeutende medizinische Forscher haben diese Behauptung auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht, doch sie alle waren nicht in der Lage zu beweisen, dass die Vorhaut diese Krankheit begünstige. Ganz abgesehen davon: Millionen Kinder einem heiklen, gefährlichen chirurgischen Eingriff zu unterwerfen, nur wegen des unbewiesenen Verdachts, Teile ihres Körpers würden gewisse Krankheiten begünstigen, scheint ein höchst unlogisches Argument zu sein. (Eine der häufigsten Krebsformen in den USA ist Krebs des Dickdarms und des Rektums. Mehr als 45000 Personen werden jährlich von dieser Krankheit dahingerafft, die bis zu 75000 Menschen pro Jahr treffen kann. Kein Zweifel, wäre Analverkehr oben auf der Liste der beliebten Sexpraktiken, würde der inbrünstige Beschneider auch noch auf seine Fahnen schreiben, dass der ungehäutete Penis eine Gefahr für die Gesellschaft darstelle weil er die Anfälligkeit für den Rektumkrebs erhöhe.)

    Im verzweifelten Versuch zu suggerieren, dass der Eingriff als Form medizinischer Prophylaxe und nicht als sozialer Brauch durchgeführt wird, ängstigte der Beschneider US-amerikanische Mütter jahrelang mit dem Märchen, der (höchst seltene) Peniskrebs würde nur bei Unbeschnittenen auftreten. David Reuben verbreitete diese Behauptung noch 1969 in seinem Buch "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten".

Auch diese Behauptung ist falsch.

In der medizinischen Literatur sind klare klinische Beweise zu finden, die mehrere Jahrzehnte zurückreichen, dass Peniskrebs sowohl bei Juden, als auch bei Nichtjuden auftritt, welche im Säuglingsalter beschnitten wurden.   [Eher ist sogar das Gegenteil der Fall: Länder, in denen Beschneidung sehr selten ist, noch seltener als in Deutschland, wie z.B. Norwegen, Finnland, Dänemark und Japan, haben alle deutlich geringere Peniskrebsraten als die USA, wo rund 70% der sexuell aktiven Männer beschnitten sind!]   

    Über die Jahre hat eine endlose Flut von "Babybüchern" die amerikanische  Bevölkerung dahingehend belehrt, dass Jungen aus hygienischen Gründen beschnitten werden müssten [so ähnlich wie deutsche Kinderpflege-Bücher der deutschen Bevölkerung weismachten und es immer noch tun, dass die Vorhaut schon bei Kleinkindern bis zu einem gewissen, völlig willkürlich gesetzten und unnatürlichen, Alter zurückschiebbar sein müsse, wie z.B. "zwischen 2 und 4 Jahren". Das, obwohl bewiesen ist, dass mit 10 Jahren weniger als gerade mal 50% der Jungen eine vollständig zurückziehbare besitzen und sich bei manchen Jungen die Vorhaut erst nach dem Ende der Pubertät zurückschieben lässt!]. Ein Kind genital zu verstümmeln aus solch fadenscheinigen Gründen wie Reinlichkeit, besonders in der so hygienebewussten Welt des 20. Jahrhunderts, kann nicht toleriert werden. Es ist wahr, es wird immer welche geben, die die Grundsätze guter Hygiene vernachlässigen [unter beschnittenen wie unbeschnitten Männern]. Die vielen Sauberen und Gepflegten der wenigen "Schmutzigen" wegen zu opfern ist eine Denkweise aus dem dunkelsten Mittelalter. [Die Vorhaut hält mit ihren Antikörpern, die sie produziert und ihren antiviralen und antibakteriellen Sekreten die Eichel sauber und schützt den Penis vor Keimen, Schad- und Schutzstoffen und sonstigen schädlichen Umwelteinflüssen.]

   Zu allerletzt schreckte der Beschneider nicht vor der Behauptung zurück, dass "ästhetische Eigenschaften" zu den Kardinaltugenden des entblößten Penis zählen würden. Dr. Joseph J. Kaufman, der Autor von Medical Aspects of Human Sexuality, zitiert darin Professor D. Goodwin, der sich als Philosoph versuchte: Beschneidung wäre eine "Verschönerung", vergleichbar mit kosmetischen Eingriffen an der Nase. Der geschändete Penis wäre bereits im schlaffen Zustand wie ein "erigiertes unbeschnittenes Organ: ein schönes Instrument mit bestimmter Absicht".

   Während seiner ganzen unglücksbehafteten Geschichte lag der Beschneider in allen Fällen falsch. Tragischerweise jedoch, aufgrund seines unglaublich penetranten Wirkens, wurden viele Millionen Knaben auf dem Altar der Genitalverstümmelung geopfert.

Aus Routine Circumcision: The Tragic Myth (dt. etwa: "Routinebeschneidung: Der tragische Mythos") von Nicholas Carter. Druck und Veröffentlichung durch Printed Londinium Press, 21 Kensington Park Road, London W.11

NICHOLAS CARTER wuchs in Los Angeles, Kalifornien auf. Er begann eine Laufbahn beim Rundfunk in den späten 1950ern als Fernsehansager/Regisseur. Anschließend arbeitete er als Ansager, Disc-Jockey, Nachrichtensprecher und Nachrichtenredakteur viele Jahre Jang im Raum Los Angeles. Er diente 2 Jahre lang als Nachrichtensprecher bei KCOP-TV, Channel 13, Wochenendnachrichten in Los Angeles. Während sein Artikel etwas veraltet ist, haben sich die Tatsachen, die er in seinem Artikel aufzeigt, nicht geändert.